Dienstag, 29. Juni 2010
Samstag, 26. Juni 2010
Donnerstag, 24. Juni 2010
Mittwoch, 23. Juni 2010
I Wanna be...
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you - alone.
Boo boo bee doo
I wanna be kissed by you
just you and nobody alse but you
I wanna be kissed by you - alone.
Boo boo bee doo
I couldn't aspire
to anything higher
and to feel the desire
to make you my own.
Badum badum bee doodily dum ! Boo !
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you - alone.
Boo boo bee doo
I couldn't aspire
to anything higher
and to feel the desire
to make you my own.
Badum badum bee doodily dum ! Boo !
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you
Ba deedily deedily deedily dum
Boo boo bee doo !
Montag, 21. Juni 2010
Freitag, 18. Juni 2010
Text WISE UP
What you thought
When you first began it
You got
What you want
Now you can hardly stand it though,
By now you know
It,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
You,re sure
There,s a cure
And you have finally found it
You think
One drink
[ Wise Up lyrics from
http://www.musiclyricsnow.net/a/aimee-mann/wise-up/ ]
Will shrink you ,til you,re underground
And living down
But it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
Prepare a list of what you need
Before you sign away the deed
,Cause it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
So just...give up
Samstag, 5. Juni 2010
Femme-Praktiken. Wer hat Angst vor Weiblichkeit?
Dass Geschlechterkategorien Identität dogmatisch und unbeweglich machen, ist in Zeiten von queerness – zumindest abstrakt – uns allen bekannt. Aber auch nach über 20 Jahren queer theory scheint es zwingend, erneut in der Schachtel der Kategorien zu wühlen. Da war doch noch was …? So zücken wir die verlegte Karteikarte eines Gendergenres, bei dem sich unser schlechtes Gewissen einschaltet: Der Kategorie der “Femme” schulden wir noch Anerkennung. Es ist tatsächlich längst überfällig, die Menschen abzufeiern, die – trotz des allgemeinen Hypes von Drag-King-Kultur und Maskulinisierung in der queer scene – den Mut aufbringen, sich mit den Koordinaten des “schwachen Geschlechts” und damit feminin zu markieren.
Welche Femme?
Bei der Suche nach den Personen, die ich abfeiern will, stoße ich zumindest schon auf Probleme – denn die zunächst noch tatsächlich nebulöse Frage drängt sich auf: Was/wer ist eine Femme? Das alte Spiel der Definitionen bringt so widersprüchliche Ergebnisse, dass es schwer wird, an dem Begriff festzuhalten:
Eine Femme ist eine feminine Lesbe, die auf Butches steht … aber es gibt auch Femme-Erotica, d.h. Femmes, die Femmes begehren … aber eine Femme muss nicht zwingend eine Lesbe sein … sie kann auch ein Biomann sein … eine Femme ist nichts anderes als eine Drag Queen … oder eine Femme ist ein Transgendergeschlecht und zwar FTF … eine Femme kann auch eine heterosexuelle Frau sein… eine Femme ist ein absichtliches, intentionales, politisches Geschlecht … nein, eine Femme müsste doch auch eine lesbische Frau sein, die sich alltäglich einfach als feminine Frau fühlt, denn was sollen die denn sein …? Femme hat nichts mit Aussehen, sondern nur mit Haltung und Habitus zu tun … eine Femme ist ein sexuell rezeptives Geschlecht, d.h. sie mag es, gefickt zu werden statt zu ficken … eine Femme kann auch eine Fierce-Femme sein, also eine Person mit aggressiver Weiblichkeit, die nicht nur annimmt … eine Femme ist die Arbeiterin für die Transition eines Transmanns… oder eine Femme kann auch ein fag-hag sein … usw. (Eine fag hag ist eine Frau die auf schwule Männer steht oder die sich emotional mit ihnen verbunden fühlt.)
Angesichts dieser multiplen Versiertheit, mit der wir im queeren Zeitalter Geschlecht denken, scheint es anachronistisch, jemandem das Label der Femme anzukleben – es sei denn, die Person macht dies für sich selbst. Ich möchte in diesem Text ein Experiment vornehmen und vorschlagen, nicht nur im engeren Sinne von Femmes als der Geschlechtskategorie von weiblichen, queeren Biofrauen zu sprechen, sondern von Femme-Praktiken, -Strategien oder von Femmeness. Denn das, was die oben genannten Geschlechter gemein haben sowie das Problem, das uns plagt, ist viel größer als eine weitere “vergessene” queere Identität: Es ist die Frage, wie man mit dem verdrängten Phantasma der “Weiblichkeit” umgeht ohne sich dabei patriarchalen Klischees zu unterwerfen.
Weiblichkeit – ein Kostüm zum selber basteln
Ich hoffe, ich langweile nicht, wenn ich mit dem feministischen Allgemeinplatz beginne, dass Weiblichkeit kein biologisches Schicksal, sondern ein Repertoire von Codes und Markierungen ist, die sich je nach historischer Situation und Kontext ändern.
Schon in den 1920ern waren Feministinnen wie Joan Rivière, der Meinung, dass Frauen “Weiblichkeit” wie eine Maske benutzen, um männliche Regeln zu umgehen: Das “So-tun-als-ob”, das absichtliche Nachahmen femininer Verhaltensnormen, erlaube es Frauen, unauffällig intellektuelle – ergo männliche – Arbeiten zu verfolgen. Mit der Taktik der Maskerade “Weiblichkeit” würden sie so immer noch als Frauen “durchgehen”, um keine Probleme zu kriegen mit dem, was ihnen damals erlaubt war. Hinter dieser Maske ist keine Echtheit, keine natürliche Weiblichkeit zu vermuten – die Entstehung von Weiblichkeit selbst ist ein Maskierungsprozess, ein Bastelvorgang an einem Genderkostüm.
Mit Judith Butler geht man heute noch viel weiter: Nicht nur Weiblichkeit, sondern Geschlecht insgesamt, ob weiblich oder männlich, ist keine biologische, sondern eine performative Praxis, die durch die Wiederholung von Sprechakten und gewohnten Handlungsnormen hervorgebracht wird – Geschlecht ist die alltäglich produzierte Inszenierung seiner Merkmale. Für unser Weiblichkeitsproblem folgt daraus, dass es keine zwingende Verbindung zwischen Weiblichkeit und Heterosexualität, genau so wie es keine zwischen Weiblichkeit und dem Geschlecht Frau gibt.
Auf dem Kopierer klebt Weiblichkeit
Wenn Geschlecht eine Performance ohne biologischen Grund, eine “Kopie ohne Original” ist, dann können queere Individuen beliebige Geschlechtsinszenierungen auf den Kopierer legen und individuelle Muster erfinden. Weiblichkeit jedoch bleibt immer in der Gleichung. Es gibt keine vermeintlich neutrale Geschlechtsperformanz eines politisch korrekten queeren Geschlechts in einem androgynen Weiblichkeitsvakuum. Jedes Gendermuster ist eine Reaktion auf Femininität – auch wenn es partout nichts damit zu tun haben will. Das, was ich an Femmes so spannend und ehrlich finde, ist, dass sie nicht die Augen vor dem Problem schließen mit dem Glauben, dass der böse Geist mit Maskulinität auszutreiben wäre. Femmeness nimmt sich bewusst der ganzen Ladung an verfügbaren Inszenierungen an und geht eben AUCH mit Femininität als Muster kreativ um.
Femmeness – subverting the oppressing skirt
Ist der Spiegel von Weiblichkeit als Frauenschicksal erstmal zerschlagen, bedient sich die Femmeness der herumliegenden Scherben, um sie in neuen Femininitäts-Mosaiken bewusst und alternativ zu arrangieren. Im Grunde greift hier der etablierte Butlersche Ansatz der Gendersubversion als Widerstandsform: Wie bei jedem Drag-Akt ist Femme-Praxis keine Kopie heterosexueller Weiblichkeitsbilder, sondern eine Operation, die sich feminine Codes und Symbole aneignet, um sie zu zweckentfremden und sie schließlich mit einer neuen Bedeutung zu besetzen. Damit kann zum einen Femininität von ihren Stigmata, wie passiv, schwach, objekthaft entzerrt und zum anderen mit verschiedenen Attributen neu besetzt werden. “To me femme is about taking the things that oppressed me and using them”, sagt Morgana Maye aus San Francisco im Buch “Femmes of Power”.
Nicht zu fassen
Die Sache wird tricky, wenn man nicht weiß, wie nun der Stöckelschuh gemeint ist – ist der Absatz ein subversives Spiel mit unseren Weiblichkeitsvorstellungen oder nicht doch eine Anbiederung an das Schönheitsideal des Patriarchats? Femme-Praktik ist manchmal wie eine Zeichnung “weiß auf weiß”, nicht unmittelbar sichtbar und nicht immer leicht einzuordnen.
Für Sabine Fuchs macht das aus Femmes die mehrdeutigsten queeren Figuren. Die Herausgeberin des ersten deutschsprachigen Reader über Femmeness legt diese Doppelbödigkeit als Stärke aus: Femmes sind doppelt different. Ihre Weiblichkeiten täuschen die Erwartungen von dem, was eine Frau und/oder eine Lesbe ist, und zwar sowohl in heterosexuellen als auch homosexuellen Kontexten. Sie sind nicht wirklich das, wie sie vordergründig erscheinen, d.h. sie mögen auf den ersten Blick als straighte Weiblichkeiten erscheinen, sind aber queer. Sie sind “neither the same (straighte Frauennorm), nor different (maskuline Lesbennorm) but both” und sind damit “the queerest of the queer”, die Vorzeigestrategen für eine permanente Abweichung von der Geschlechtsnorm.
“To me, femme dares to stand at the boundary of what’s normal and what’s queer. At first glance she might pass. But she’s the double take. The square peg in the round hole”, so beschreibt auch XU Femmeness. Femme-Praktiken sind somit permanent fließend zwischen Identifikation und Desidentifikation, die Weiblichkeit mit einer ständigen Uneindeutigkeit ausstatten. Und wollten wir das nicht für alle Geschlechter geltend machen – schon immer?
Femme-inismus – was für ein Flash
Glücklicherweise gibt es eine Tradition von verschiedenen Feminismen, die Weiblichkeit ambivalent lesen und nicht nur als repressiven Zustand verstehen. Man könnte etwa in den Theorien graben, bei denen Frauen immer für die Abweichung vom Normgeschlecht “Mann” standen – für das “Andere”, das sich sogar dem Humanen entzieht und zum Monster, Tier oder Cyborg mutieren kann.
Oder beim sexpositiven Feminismus, der seit den 80ern dafür kämpft, dass ein offener Umgang mit Sexualität inklusive des Spiels mit den dazugehörigen Weiblichkeitsbildern zu einem Schlüssel für Emanzipation wird. Denn wie geil sind bitte all die gefürchteten Femmes der Kulturgeschichte, bedenke man die Femme Fatales, Vamps und Nixen, die ihre Sexualität strategisch einsetzen, um Männer ins Verderben zu stürzen – die Weiblichkeit dieser Geschöpfe ist unzweifelhaft mächtig.
Femmeness operiert mit all jenen Ideen, die Vorstellungen vom Weiblich-Sein öffnen. Deswegen haben es Femmes auch nicht nötig, das Gegenstück der Maskulinität anzunehmen, um sich von der angeblichen “rückschrittlichen Weiblichkeit” zu distanzieren. Die Femme-Strategie ist eine spielerische Umarmung von Femininität, die nicht “trotz” sondern “durch” Weiblichkeit Feminismus betreibt. Umso absurder scheint es, dass heute gerade in der queeren Szene mit Femme-inismus für die Anerkennung von Femmeness gekämpft werden muss. Das queere und feministische Potential der Femme-Praktiken flasht ungemein – allen Geschlechtern mit queerem Anspruch würde es gut tun, sich ein Stück davon abzuschneiden.
Literatur:
* Vampire Sex-Positive Performer and Writer Rosie Lugosi. In De LaGrace Volcano/ Ulrika Dahl: Femmes of Power. Exploding Queer Femininities, Serpent’s Tail, London 2008, ISBN 978184668664
* Sabine Fuchs: “Femme! Radikal – queer – feminin”
“Körpereinsatz”. Über feministische queer Burlesque. Siehe Hugs and Kisses Nr. 2
* Porträt der female Drag Queen Miss Debra Kate. Siehe Hugs and Kisses Nr. 4
Lasst uns Banden bilden!
Didine van der Platenvlotbrug und Tania Witte, © Paula Winkler
Banal oder gewagt? Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, und Tania Witte, Femme, sprechen über Feminitäten. © Paula Winkler
Hugs and Kisses: Was bedeutet denn Femme für dich, Tania?
Tania Witte: Generell sehe ich Femme als große Stärke, die sich hoffentlich mittlerweile abgekoppelt hat von “Butch”: Es geht darum, vorgeschriebene Weiblichkeit zu nehmen und auch in Äußerlichkeiten zu benutzen. Es ist ganz klar eine Entscheidung – ich wähle das für mich, und das jeden Tag neu! Ich bin dann unbedingt queer, ich kann auch wählen, mir einen Bart anzukleben und als King zu gehen. Aber ich bin trotzdem eine Femme, weil ich mich in Femininität stärker fühle als in Maskulinität. Als King bin ich immer eine kleine Schwuppe, da fühle ich mich immer verkleidet.
H&K: Wie definierst du Tunte, Didine?
Didine van der Platenvlotbrug: Früher war das für mich eine sehr politische Haltung, basierend auf der Homo-Männer-Bewegung der 70er, wo es ein Statement war, Frauenkleider zu tragen: Das, was ihr uns Schwuppen zudichtet, das benutzen wir, um dadurch stark zu sein! Auch indem wir Spaß damit haben. Das sind meine Wurzeln. Heute hat sich das mit dem queeren Diskurs sehr verändert: Ich sitze vor einem Setzkasten von Attributen, die ich mir anstecken kann – so gesehen ist das mein Lieblingsattribut. Auf der anderen Ebene ist Tunte für mich eine Haltung.
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Donnerstag, 3. Juni 2010
Donnerstag, 20. Mai 2010
Donnerstag, 6. Mai 2010
Freitag, 30. April 2010
Donnerstag, 29. April 2010
Herculine Barbin
http://de.wikipedia.org/wiki/Herculine_Barbin
Mittwoch, 28. April 2010
Freie Entfaltung im Frauenraum?
Prüfung Grundkurs Gender Studies, Aufgabe 1:
E. hat einen Termin bei ihrer lesbischen Friseuse. Es sind noch drei andere Frauen im Laden anwesend. Während die Chefin und ihre Gehilfinnen die Haare der Kundinnen in Form bringen, unterhalten sich diese angeregt über die neuesten Frisurentrends und andere Beautythemen. Nach einer Stunde zahlt E. eine nicht geringe Summe und geht höchst zufrieden nach Hause.
Frage: War E. in einem Frauenraum?
Frauen in einem Raum machen noch keinen Frauenraum – zumindest für ein feministisches Verständnis des Begriffs scheint die rein körperliche Anwesenheit von Frauen nicht auszureichen. Virginia Woolf forderte in ihrem 1929 erschienenen Buch Ein Zimmer für sich allein einen privaten Raum ein, der die Grundlage für die Erfahrung persönlicher Autonomie darstelle. Die im Zuge der zweiten Frauenbewegung popularisierte Vorstellung vom Frauenraum wandte sich hingegen an die Öffentlichkeit und skandierte selbstbewusst: Frauen brauchen Raum. Auf Grund gemeinsamer Diskriminierungserfahrungen würden Frauen kollektive Orte benötigen. Erst in diesen Enklaven des Patriarchats werde es möglich, Frauenbezüge herzustellen, aus der Vereinzelung herauszutreten, gemeinsame Erfahrungen zu thematisieren und frauenspezifische Umgangsformen zu entwickeln. Dass Frauenräume Orte seien, in denen sich Frauen frei entfalten können, ist ein feministischer Gemeinplatz.
Heute existieren Frauenräume – ebenso wie die feministische Theorie – diffus im Plural. Im Wiener Kulturzentrum „kosmos.frauenraum” dürfen Männer als Konsumenten „solidarischen Anteil” an kulturellen Produktionen von Frauen nehmen – mit dem erklärten Ziel, den Dialog der Geschlechter zu fördern. Andererseits sind Räume entstanden, die den strategischen Separatismus in einen essenziellen wandelten und die Kommunikation mit der bürgerlich-patriarchalen Öffentlichkeit abgebrochen haben. Diese Gegenwelten, die scheinbar abgekoppelt von der gesellschaftlichen Totalität existieren, simulieren eine abgetrennte, „ganz andere“ Frauenwelt. Therapie- und Wohlfühlfunktion haben die Kritik an der Gesellschaft abgelöst. Ein weiteres Beispiel für die gegenwärtige Vielfalt an Konzeptionen: Unter dem Einfluss der dekonstruktivistischen Theorie wird die Begründung des „Frauenraums“ infrage gestellt. Wenn die Kategorie „Frau“ vieldeutig wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch ans „Eingemachte“ der Frauenräume geht: Worauf sollen sich nun separatistische Strategien gründen? Die Kriterien des Ein- und Ausschlusses werden fragwürdig.
Während sich Genderforscherinnen mit Fragen der Umdeutung und Neuaneignung beschäftigen, bezeichnen sich heute selbst Büros von Frauenbeauftragten kühn als Frauenräume. Sind die Frauenräume letztlich an dem Ort angekommen, dessen Gegenentwurf sie zu sein beanspruchen – im kapitalistisch-patriarchalen Staat, in der bürgerlichen Öffentlichkeit? Diese genuin staatlichen Einrichtungen machen deutlich, was die separatistische Rhetorik gerne vergisst: Tatsächlich existieren Frauenräume niemals im gesellschaftlichen No-Mans-Land.
Nicht nur im Fall von Kürzungsdrohungen tauchen staatliche Bürokratinnen mit schlechten Botschaften in den weiblichen Welten auf. Dass dem Staat feministische Räume kaum mehr ein öffentliches Anliegen sind, ist freilich zu kritisieren. Allerdings sollte – unabhängig von aktuellen Betroffenheiten – auch der gute alte Wohlfahrtsstaat einmal unter die Lupe genommen werden. Seine Strategie war die der Integration und Kooption. Wie sonst konnten aus temporären Frauenräumen die heutigen Institutionen entstehen?
Die Frauenbewegung war als Modernisierungsphänomen und Dienstleisterin durchaus willkommen, und auch sie selbst ist vielfältige Beziehungsformen mit „Vater Staat“ eingegangen. Dass Frauenräume – so begriffen – als „erweiterter Staat“ existieren, macht klar, dass es sich bei diesen Zonen beileibe nicht um Orte außerhalb des Vergesellschaftungsprozesses handelt.
Es gibt kein richtiges Leben im falschen, sagte Adorno. „Frei entfalten“ können wir uns weder im Frauenraum noch beim Friseur. Aber an beiden Orten kann mit der Kritik an den bestehenden Verhältnissen begonnen werden. – Also, sollte E. nicht wieder mal zur Friseuse gehen?
Quelle: http://www.derive.at/index.php?p_case=2&id_cont=363&issue_No=15
Donnerstag, 15. April 2010
The Pierces - Boring
We look alright
We're going out
Boring.
Paris, France
Londontown
NYC
Boring.
Nothing thrills us
Anymore
No one kills us
Anymore
Life is such a chore
When it's….
Boring
Sexy boy
Girl on girl
Manage trois
Boring.
Marijuana
Cocaine
Heroin
Boring.
Nothing thrills us
Anymore
No one kills us
Anymore
Life is such a chore
When it's….
Boring
Galliano
Donatella
Dolce & Gabbana
Boring.
Caviar
Escargot
Dom Perignon
Boring.
Love of my life
Bear your child
Everything I've ever wanted
Boring.
Nothing thrills us
Anymore
No one kills us
Anymore
Life is such a chore
When it's….
Boring
(when it's boring)
Nothing thrills us
Anymore
No one kills us
Anymore
Life is such a chore
When it's….
Boring
Dienstag, 13. April 2010
Samstag, 27. März 2010
Samstag, 6. März 2010
Freitag, 19. Februar 2010
so ganz passt es nicht zum thema, aber ist sie nicht toll, die Frau Schwarzer!
Rapper Nr. 1!
Hey Bushido,
als ich dich vor drei Jahren in meine Talkshow einlud, um mit dir über deine kruden und menschenverachtenden Songs zu reden, da hast du gekniffen. Jetzt sehe ich im Internet, dass du davon träumst, mit mir zu sprechen. Und in deiner Phantasie stellst du dir vor, dass ich zu dir sage: "Hey, Bushido, wie waren denn die Titten damals von deiner Mutter? Als du als kleiner Junge daran gesaugt hast." Und du würdest mir antworten: "Ey, Fotze! Fick dich ins Knie!"
Hallo?
Seit wann habe ich pornografische Phantasien mit stillenden Müttern? Die hast du! Und genau das ist dein Problem.
Das Fass mit mir machst du jetzt auf, weil dein Film läuft. Und da kannst du jede Werbung gebrauchen. Was läge da näher, als ein öffentlicher Fight mit Alice Schwarzer?
Ich tu dir den Gefallen aber nicht. Denn, ganz ehrlich: Ich kann dich nicht ernst nehmen. Du redest viel von Ehre und Respekt, aber du redest davon, wie der Blinde von der Farbe.
Und jetzt ist es dir noch nicht einmal zu blöd, für deinen PR-Gag auch noch obszön über deine eigene Mutter zu labern. Dabei liebst du sie doch angeblich so. Nicht zuletzt, weil sie ein Leben lang bedingungslos – zu bedingungslos? – zu dir gehalten hat.
Ja, schon klar, Bushido: Du bist irgendwie zerrissen. Zwischen dieser deutschen, ergebenen Mutter und diesem tunesischen, abwesenden Vater. Der war schwach - aber stark genug, deine Mutter regelmäßig zu verprügeln.
Und welche Lehren hast du Muttersohn daraus gezogen? Die, gewalttätige Männer zu verachten? Nein, im Gegenteil: Du identifizierst dich mit dem Täter! Auch du verachtest die Frauen. Wir sind für dich nur Fotzen, die man von hinten fickt.
Deine Idole sind gewalttätige, "echte" Männer. Männer, wie Arafat Abou Chaker, nach deiner eigenen Aussage "einer der mächtigsten und berüchtigtsten Männer Berlins". Das sieht die Polizei genauso.
Dieser libanesische Clanchef hat dich vor sechs Jahren auf deine Bitte hin aus dem Knebel-Vertrag mit deiner alten Plattenfirma Aggro rausgehauen. Vermutlich auf seine Art. Jetzt bist du in seinem Label ersguterjunge GmbH sein Goldesel. Humor scheint er zu haben, dein Arafat. Mit ihm bewohnst du jetzt samt Mama und vielen, vielen stiernackigen Bodyguards anscheinend eine Villa im biederen Lichterfelde. So heißt es in den Medien (siehe auch "Wem gehört Bushido?", BamS vom 1.1.2010). Da grillst du, schneidest die Hecken und hörst Depeche Mode. Okay. Ich gönn es dir. Nur erzähl uns nichts vom Ghetto, von Verzweiflung und Ehre.
Dein Leben war, abgesehen von ein paar Ausrutschern, immer eines auf dem Sofa. Du bist als Anis Mohamed Youssef Ferchichi im kleinbürgerlichen Berlin-Tempelhof aufgewachsen und hast das Gymnasium kurz vor dem Abi geschmissen. Es folgten Drogen, Heim und eine Lehre als Anstreicher (mit Bestnote abgeschlossen). Nicht so aufregend, klar.
Da bist du auf den Trichter mit dem Gangsta-Rap gekommen. Aber der Punkt ist: Du siehst nur so aus. Du spielst nur. Der einzige echte Gangsta in deiner Nähe ist vermutlich dein Beschützer Arafat.
Du aber tust dir nur selber leid und bist von Mutters Rockzipfel nie weggekommen. Ganz wie die verunsicherten Jungs und Mädels, denen du deinen 80.000-Euro-Stundenlohn beim Konzert verdankst.
Jetzt gehst du also Mainstream in Berliner Salons, trägst steingraue Edeljackets und dinierst mit deiner Filmmutti Hannelore Elsner im Borchardt oder machst Smalltalk mit CSU-Seehofer. Der hält dich vermutlich, ganz wie dein midlifekrisender Filmproduzent Eichinger, für ein Sesam-öffne-dich zur rebellischen Jugend.
Du bist aber nur ein kleinbürgerlicher Spießer, der die echt Verzweifelten abzapft. Also ganz ehrlich, Bushido: Respekt kann ich davor nicht haben.
Es grüßt dich und vor allem deine Mutter
Mittwoch, 17. Februar 2010
Mittwoch, 10. Februar 2010
MACBETH! aber nicht aussprechen!
Ein freier Platz, Donner und Blitz
Drei Hexen treten auf.
ERSTE HEXE
Wann treffen wir drei uns das nächstemal
Bei Regen, Donner, Wetterstrahl?
ZWEITE HEXE
Wenn der Wirrwarr ist zerronnen,
Schlacht verloren und gewonnen.
DRITTE HEXE
Noch vor Untergang der Sonnen.
ERSTE HEXE
Wo der Ort
ZWEITE HEXE
Die Heide dort!
DRITTE HEXE
Da zu treffen Macbeth. Fort!
ERSTE HEXE
Ich komme, Graupelz.
ALLE
Kröte ruft; - sogleich!
Schön ist wüst, und wüst ist schön.
Wirbelt durch Nebel und Wolkenhöhn!
Sie verschwinden.
Die Brück' am Tay
(28. Dezember 1879)
When shall we three meet again?
Macbeth
»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um die siebente Stund‘, am Brückendamm.«
»Am Mittelpfeiler.«
»Ich lösche die Flamm.«
5
»Ich mit«
»Ich komme vom Norden her.«
»Und ich vom Süden.«
»Und ich vom Meer.«
»Hei, das gibt einen Ringelreihn,
10
Und die Brücke muß in den Grund hinein.«
»Und der Zug, der in die Brücke tritt
Um die siebente Stund’?«
»Ei, der muß mit.«
»Muß mit«
15
»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand!«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
20
Und in Bangen sehen nach Süden zu,
Sehen und warten, ob nicht ein Licht
Übers Wasser hin »Ich komme« spricht,
»Ich komme, trotz Nacht und Sturmesflug,
Ich, der Edinburger Zug.«
25
Und der Brückner jetzt: »Ich seh’ einen Schein
Am anderen Ufer. Das muß er sein.
[586] Nun, Mutter, weg mit dem bangen Traum,
Unser Johnie kommt und will seinen Baum,
Und was noch am Baume von Lichtern ist,
30
Zünd’ alles an wie zum heiligen Christ,
Der will heuer zweimal mit uns sein, —
Und in elf Minuten ist er herein.«
Und es war der Zug. Am Süderturm
Keucht er vorbei jetzt gegen den Sturm,
35
Und Johnie spricht: »Die Brücke noch!
Aber was tut es, wir zwingen es doch.
Ein fester Kessel, ein doppelter Dampf,
Die bleiben Sieger in solchem Kampf.
Und wie’s auch rast und ringt und rennt,
40
Wir kriegen es unter, das Element.
Und unser Stolz ist unsre Brück’;
Ich lache, denk’ ich an früher zurück,
An all den Jammer und all die Not
Mit dem elend alten Schifferboot;
45
Wie manche liebe Christfestnacht
Hab’ ich im Fährhaus zugebracht
Und sah unsrer Fenster lichten Schein
Und zählte und konnte nicht drüben sein.«
Auf der Norderseite, das Brückenhaus —
50
Alle Fenster sehen nach Süden aus,
Und die Brücknersleut’ ohne Rast und Ruh
Und in Bangen sehen nach Süden zu;
Denn wütender wurde der Winde Spiel,
Und jetzt, als ob Feuer vom Himmel fiel’,
55
Erglüht es in niederschießender Pracht
Überm Wasser unten... Und wieder ist Nacht.
»Wann treffen wir drei wieder zusamm?«
»Um Mitternacht, am Bergeskamm,«
»Auf dem hohen Moor, am Erlenstamm.«
[587]
60
»Ich komme.«
»Ich mit«
»Ich nenn’ euch die Zahl.«
»Und ich die Namen.«
»Und ich die Qual.«
65
»Hei!
Wie Splitter brach das Gebälk entzwei.«
»Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand.«
Dienstag, 9. Februar 2010
Faster Pussycat!
Sonntag, 7. Februar 2010
Samstag, 6. Februar 2010
Freitag, 5. Februar 2010
Donnerstag, 4. Februar 2010
Mittwoch, 3. Februar 2010
Dienstag, 2. Februar 2010
Unbedingt gucken! und im Gegensatz dazu noch:
Jo, so ist das.
Montag, 1. Februar 2010
Über: Guten Morgen du Schöne von Maxie Wander
Sabine Zurmühls Maxie Wander-Biographie
Von Anke HeimbergRSS-Newsfeed neuer Artikel von Anke Heimberg
Besprochene Bücher / Literaturhinweise
"Eigentlich habe ich in meinem Leben nie richtig Zeit gehabt,
in mich hineinzuhorchen, was ich will."
Maxie Wander
Von riesigen Werbeplakaten blickte sie den BesucherInnen der Leipziger Buchmesse mit fragenden, ein wenig neugierigen Augen entgegen: Maxie Wander. Autorin, Fotografin, Journalistin - in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen bekannt und vor allem von den Frauen bis heute bewundert und verehrt. Keine Frage also, dass der Berliner Henschel-Verlag die "erste Biographie" über die DDR-Autorin Maxie Wander zum Spitzentitel seines Frühjahrsprogramms machte und - insbesondere - in den einschlägigen Frauenzeitschriften von "Brigitte" bis "Emma" bewarb.
Aufsehen erregte Maxie Wander Ende der 70er Jahre mit ihrem Reportageband "Guten Morgen, du Schöne", der auf der Basis von Tonbandinterviews den Alltag von siebzehn Frauen in der DDR dokumentiert. Das Buch, das sich am neuen Genre der Dokumentationsliteratur im Stile von Sarah Kirschs "Pantherfrau" (1973) orientiert, wurde ein Sensationserfolg: von der 1977 im DDR-Verlag "Der Morgen" erschienenen Ausgabe verkauften in ersten Jahr 60.000 Exemplare, in jedem Schaufenster lag Maxie Wanders Buch. Viele Theater spielten ihre Texte. Auch die Westausgabe bei Luchterhand, 1978 erschienen, wurde ein großer Erfolg, erreichte schnell mehrere Auflagen und wurde in den Feuilletons der großen Zeitungen ausführlich besprochen. Maxie Wanders Frauenprotokolle fanden vor allem unter den Leserinnen - egal ob aus Ost oder West - große Zustimmung, die sich offensichtlich in den Darstellungen der Interviewten, welche offen über ihre inneren Befindlichkeiten berichten, wiederfanden. "Fast jedes der Gespräche weist durch Sehnsucht, Forderung, Lebensanspruch über sich hinaus, und gemeinsam - wenn man das Buch als Zusammenkunft verschiedenster, im Wichtigsten einiger Menschen sieht - geben sie ein Vorgefühl von einer Gemeinschaft, deren Gesetze, Anteilnahme, Selbstachtung, Vertrauen und Freundlichkeit wären. Merkmale von Schwesterlichkeit". Vielleicht waren es jene Anflüge einer feministischen Utopie, wie sie Christa Wolf im Vorwort zur Westausgabe beschreibt, von denen sich die Frauen angezogen fühlten. Die Dutzende Briefe, die sie ihr fortan schrieben, erreichten sie nicht mehr: Im Alter von 44 Jahren starb Maxie Wander am 20. November 1977 an Krebs. Ihr Mann Fred Wander veröffentlichte mit "Leben wär' eine prima Alternative" und "Ein Leben ist nicht genug" Anfang der achtziger Jahre posthum ihre Tagebuchaufzeichnungen und Briefe der letzten Lebensjahre; ein Stück anrührender, mitunter selbstironischer, auch aufrüttelnder Literatur, die Maxie Wander endgültig zur Ikone machte. Kein leichtes Unterfangen also, das Leben der Maxie Wander zu beschreiben, wie Sabine Zurmühl im Nachwort zur Biographie gerne zugibt. Belastet zusätzlich durch die Tatsache, dass Zurmühl, die von 1976 bis 1984 Geschäftsführerin und Kulturredakteurin der Frauenzeitschrift "Courage" war, genau eine jener "Schwestern" aus dem Westen ist, mit deren "Feministinnen-Rummel" die DDR-Autorin zu Lebzeiten auf keinen Fall in Zusammenhang gebracht werden wollte. Kann so eine das dann überhaupt? - Sie kann, schafft eine dichte, eindringliche Beschreibung dieser ungewöhnlichen Frau und liefert im Nachwort gleich selbst die einfache, aber treffende Leseanleitung zu ihrem Buch, wenn sie schreibt: "Die Biografie der Maxie Wander handelt davon, wie jemand versucht, glücklich zu werden. Und welche Stolpersteine der äußeren und inneren Art diesem Ziel entgegenstanden."
Maxie (eigentlich Elfriede "Fritzi") Wander wird am 3. Januar 1933 im "roten Wien" geboren, dort wächst sie in Hernals, einem typischen Wiener Arbeiterbezirk auf. Die Eltern Alois und Käthe Brunner, beide stolze Arbeiter und zeitlebens überzeugte Mitglieder der KPÖ, erziehen Maxie und ihren um sieben Jahre jüngeren Bruder Herbert im Geiste der kommunistischen Partei - auch dann noch, als Österreich seit März 1938 längst "angeschlossen" und die KP verboten ist: Schwierig für ein Kind, das bereits im Grundschulalter lernen muss, den Unterrichtsstoff der Nazi-Volksschule und die kommunistischen Ansichten des Elternhauses streng voneinander zu trennen, will es die Familie nicht gefährden. Das kleine Mädchen beginnt zu stottern - eine Reaktion auf die sie überfordernde Situation oder eine Möglichkeit für Fritzi-Maxie, die sich seit der Geburt des kleinen Bruders vernachlässigt fühlt, auf sich aufmerksam zu machen, wie die Biographin suggeriert? Auf jeden Fall ein Sprachfehler, der sie ihr ganzes Leben lang begleiten und ihr Selbstbewusstsein untergraben soll, der sie später in der DDR davon abhält, Lesungen zu halten oder im Rundfunk zu sprechen. Die Mittelschule beendet die junge Maxie Wander nicht, ebenso wie sie zuvor die Geigenausbildung abgebrochen hat - ein Muster, das prägend werden wird für ihr Leben: Sie wird viel anfangen, aber nur wenig wirklich zu Ende bringen. Zunächst aber findet sie Arbeit in einer Wiener Kartonagenfabrik, besucht einen Stenografiekurs, arbeitet als Kassiererin im "Neuen Theater" an der "Scala" und danach als Sekretärin im Wiener Friedensrat.
Über ihre Cousine Rosl Großmann, Chefredakteurin der "Stimme der Frau", der Frauenbeilage des KP-Parteiblatts "Volksstimme", lernt Maxie im Dezember 1952 den sechzehn Jahre älteren, verheirateten Fred Wander kennen. Fred Wander - eigentlich Fritz Rosenblatt - ist einer von Großmanns eifrigsten freien Mitarbeitern, überzeugter Kommunist, Jude. Vier Jahre später heiratet Maxie Wander "Fred, die Sonne", stellt ihm im gemeinsamen Zusammenleben fortan ihre Kraft, ihre Konzentration und ihre Zeit bedingungslos zur Verfügung.
Im März 1958, wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter Kathrin ("Kitty"), folgt sie ihrem Mann in die DDR, die dem aufstrebenden Schriftsteller offensichtlich mehr Interesse an seinen Werken entgegenbringt als sein Heimatland Österreich. Die DDR - das bedeutet für Fred Wander Anerkennung, Erfolg, Honorare, ein eigenes Haus, kurz: "ein Minimum an sozialer Sicherheit", da fällt die Entscheidung - bei aller sozialistischen Überzeugung und politischen Utopie - wohl beiden Wanders nicht schwer, wie Zurmühl plausibel herausarbeiten kann. Kleinmachnow heißt die neue Heimat: ein Dorf in der Mark Brandenburg, idyllisch gelegen, Künstlerkolonie, aber auch Grenzgebiet, d. h. immerwährende Präsenz von Stacheldraht, Schäferhunden, Grenztruppen. Hier wird Fred Wander Karriere als Schriftsteller machen, hier entstehen Reisebücher wie "Doppeltes Anlitz - Pariser Impressionen", aber vor allem sein autobiographisch geprägter Roman "Der siebente Brunnen", die literarische Verarbeitung seiner Häftlingszeit im KZ. Ehefrau Maxie unterstützt ihn bei allen seinen Vorhaben, tippt Freds Manuskripte, erledigt irgendwie die Hausarbeit, versorgt die drei Kinder Kitty, DDR-Heimkind Roberto ("Berti") sowie Sohn Daniel - und geht arbeiten: als Sekretärin im Geräte- und Reglerwerk in Teltow, als Bibliothekarin der DDR-Rundfunkschule, als Redakteurin der Jugendzeitung "Unsere Milchader", als freie Mitarbeiterin der "Märkischen Volksstimme" und als DEFA-Drehbuchautorin. "Sie wird die Nachvollziehende bleiben, lange Zeit, deren Liebe sich in der Unterstützung seiner Ideen zeigt", charakterisiert Sabine Zurmühl treffend die Beziehung der Eheleute Wander. Selten - obwohl das Bedürfnis immer größer wird - findet Maxie die Zeit, selbst zu schreiben, wird zerrieben zwischen dem Wunsch, "eine Schriftstellerin (zu) werde(n)", ihren Verpflichtungen als Ehefrau, Hausfrau und Mutter und den Erwartungen der Familie in Wien. Neben den immer häufiger auftretenden Streitereien um gute Schreibbedingungen zwischen den Eheleuten Wander, die in den Rangeleien um Kurzaufenthalte in den DDR-Schriftstellerheimen Petzow, Wiepersdorf, Ahrenshoop und Geltow manifest werden, beginnt Maxie angesichts der politischen Entwicklungen außerdem an ihrem Leben in der DDR, die sie zunehmend als "grauen Moloch" empfindet, zu zweifeln. Doch ihre im Umfeld des Elternhauses erworbenen politischen Ideale und Glaubenssätze, die existentiellen Grundlagen der Familie Wander, Pflegesohn und DDR-Bürger "Berti" und nicht zuletzt Maxies eigene künstlerische Pläne und Hoffnungen scheinen fix an ein Leben in der DDR gebunden, folgt man der Darstellung ihrer Biographin. Ob Maxie Wanders Ausbruchsphantasien, ihr - selten eingestandenes, auch vor sich selbst verleugnetes - Heimweh allerdings wirklich so weit gehen, dass sie sich real nach Wien zurückwünscht, kann Zurmühl nicht wirklich hinreichend belegen. Gelegenheit, das Land endgültig zu verlassen, hätten Maxie und Fred Wander als österreichisch-kommunistische Gäste im Gegensatz zu den BürgerInnen der DDR jedenfalls gehabt, wie ihre zahlreichen Aufenthalte bei der Familie in Wien oder Reisen ins Ausland, vor allem nach Frankreich, zeigen.
Maxie Wander beginnt sich - besonders nach dem für sie traumatischen Unfalltod der heißgeliebten Tochter Kitty (1968) - zu verändern. Neben Schwächeanfällen und Gleichgewichtsstörungen häufen sich vor allem ihre cholerischen Ausbrüche, die primär die beiden Söhne - auch körperlich - zu spüren bekommen. Ob es sich dabei um Reaktionen auf die sie erdrückenden Lebensverhältnisse oder um Vorboten des Gehirntumors handelt, lässt Sabine Zurmühl offen. Als Maxie einmal Sohn Berti mit der Axt hinterherläuft, beginnt sie mit einer Gruppentherapie. Die teils gewalttätigen Tobsuchtsanfälle, die vielleicht gerade frauenbewegte Leserinnen am meisten enttäuschen werden, gehören wohl zu den dunklen Flecken im Leben der Maxie Wander. Ebenso wie der, jedoch nicht ganz überzeugende, da auf unzureichender Aktenlage beruhende und daher spekulative Vorwurf ihrer Biographin, die Wanders wären möglicherweise im Auftrag der Partei als Spione tätig gewesen.
1975 dann endlich die Idee zum eignen Buch. Ein Frauenbuch, ein Buch über Frauen in der DDR. Maxie Wander ist erfüllt von ihrem Projekt; "es wird das erste sein, das wirklich ihr angehört". "Guten Morgen, du Schöne" wird sie es nennen, und es wird großen Erfolg haben. Vielleicht wäre dieses Buch nicht nur eine Art literarischer Befreiungsschlag für seine Leserinnen geworden, sondern auch für die Schriftstellerin Maxie Wander selbst, wenn auch Sabine Zurmühl am Ende kritisch anmerkt: "Indem sie den anderen Frauen zum Ausdruck verhilft, kann sie letztlich ihr eigenes Leben zum Ausdruck bringen, und kann sich - typisch - doch dahinter verstecken. Anderen zur Sprache verhelfen, andere ermutigen, wie sie selbst der Ermutigung bedurft hätte, die Zweite bleiben, die Geburtshelferin, die Frau im Hintergrund: Damit bleibt Maxie im Prinzip in der Rolle, die zu sprengen sie mit dem Buch angetreten ist."
Samstag, 30. Januar 2010
Donnerstag, 28. Januar 2010
Mittwoch, 27. Januar 2010
Tic Tac Toe
Sinn egal. Körper zwecklos
von Elfriede Jelinek
Daß sie auf einer Bühne auftreten, gefährdet nicht nur den einzelnen, sondern alle miteinander, in den Beziehungen, die sie zueinander herausgebildet haben. Ich werde diese Gefährdung gleich genauer beschreiben, denn sie entspricht nicht ganz genau der Gefahr, in der wir alle ständig schweben, wenn wir die Straße zu uns selber überqueren wollen und merken, daß da schon einer steht, dem wir nicht zu begegnen wünschen. Das Hervorkommen der Schauspieler nennt man das Erscheinen. Es macht jeden einzelnen zu etwas anderem, aber nicht so dauerhaft, daß er uns damit in unserem Innersten herausfordern könnte, nur indem er einfach so heraussteigt aus seinem Leben. Jeder einzelne, der auf dem Theater auftritt, drängt sich vor, weil er den stillen Bestand all der Menschen gefährden möchte, die sich damit zufriedengeben, gerade so eben bestanden zu haben und es, darüber hinaus, nicht einmal zulassen wollen, daß einer vor sie hintritt und über sie herausgehoben wird. Die Radfahrer bleiben ja auch in ihrem Feld, auf das sie gesäet sind wie Knochen in den Boden, doch dann reißt auf einmal ein Spitzentrio aus und gewinnt Gold, Silber, Bronze. Sie haben sich vom Feld abgesetzt wie die Schauspieler von uns. Sie irritieren uns mit ihrem angemaßten Geschick. Da ist dieser Raum, und Geschickte stellen Geschicke von ins Geschirr gespannten zweibeinigen Kreaturen dar. Sie haben es gelernt und glauben daher, es immer tun zu müssen. Auch wenn sie gar nichts zu tun haben, verkörpern sie das Fortwährende, weil sie nicht aufhören können, und, wo immer sie sind, ihren Mantel aus Sprache, an dem dauernd einer zerrt, (egal wer, die Autorin nicht, die traut sich längst nicht mehr) nicht hergeben wollen. Dieser Raum ist schon völlig überheizt, aber diesen Königsmantel hängen sie nicht an den Haken. Sie haben ihn von so hoch heruntergeholt, womöglich kriegen sie ihn nicht mehr rauf, auch wenn sie einen Königswurf in den Korb riskierten. Doch die Sprache fällt unten immer wieder raus.
Ich will aber, daß die Schauspieler etwas ganz anderes tun. Ich will, daß die Sprache kein Kleid ist, sondern unter dem Kleid bleibt. Da ist, aber sich nicht vordrängt, nicht vorschaut unter dem Kleid. Höchstens daß sie eine gewisse Standfestigkeit verleiht dem Kleid, das aber, wie jenes des Kaisers, wieder verschwindet, wie Rauch zerfließt (obwohls eben noch fest war), um Platz zu machen für ein anderes, neues. Wie unter dem Pflaster der Strand, so unter dem Pflaster die nie heilende Wunde Sprache. Also noch einmal, aber anders: Ich werfe sie wie Mikadostäbe in den Raum, diese Männer und Frauen, denen noch Fetzen von Heidegger, Shakespeare, Kleist, egal wem, aus den Mundwinkeln hängen, wo sie sich unter anderem Namen, selbstverständlich sehr oft dem meinen, vergeblich zu verstecken suchten; und, ohne berührt zu werden, sollen sie uns berühren, die Schauspieler, aber es darf keiner wackeln dabei, aus der Bahn geraten, Anstoß erregen. Tja, Anstoß erregen darf er meinetwegen schon. Ich sage es, weils eh nicht zu ändern ist. Ich habe schon oft gesagt, daß ich kein Theater von ihnen will. Wenn sie nämlich theaterspielen, dann gefährden sie sich, wie es bei Selbstbegegnungen, im Traum, vor dem Spiegel, in den Augen eines Liebenden geschieht, dann gefährden sie sich in dem Verhältnis zueinander und dem Verhältnis zu dem, was sie sprechen, also denken, also sein sollen. Sie dürfen aber auch nicht sie selber sein wollen. Das Allerschlimmste ist, wenn sie was sie da werden sollen mit dem in Übereinstimmung zu bringen suchen, was sie bereits sind. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, daß sie, wie fleischfarbene Schinken, die nicht nur nach Fleisch aussehen, sondern Fleisch auch sind, aufgehängt in der Räucherkammer, im Schacht einer anderen Dimension, die nicht Wirklichkeit, aber auch nicht Theater ist, uns etwas bestellen sollen, eine Nachricht die Anfänger, eine Botschaft die Fortgeschrittenen. Und dann merken sie, daß sie selber ihre eigene Botschaft sind. Schon haben sie etwas falsch gemacht und müssen noch einmal würfeln, um sich nicht in der Ferne verlieren zu müssen. Wer könnte es besser? Jeder ist er selber. Sie sind was sie sind. Wie Gott, der ist, der er ist. Das ist doch eine schöne und große Aufgabe, oder? Die Schauspieler SIND das Sprechen, sie sprechen nicht. Aber da sie ja zu mehreren, zu vielen sind und mich mühelos ausknocken und auszählen können, muß ich sie verwirren, disparat machen, ihnen ein fremdes Sagen unterschieben, meine lieben Zitate, die ich alle herbeigerufen habe, damit auch ich mehr werden und ausgeglichener punkten kann als bisher, da ich nur eine einzige war. Jedem das Seine, mir aber alles, so, jetzt habe ich mir mich selbst, eine Doppel-, eine Mehrgängerin von mir, unter das Bürzel geschoben, ohne es gemerkt zu haben. So einfach geht das, wenn man auf einem Ei sitzt, das gelegt werden soll, und nicht herauskann aus dem Dunkel der vielen Stimmen, die bereits vorgesprochen haben und in den Abtritt gekommen sind. Ich will natürlich zu mehreren und größer sein als ich bin; so kommen sie daher, so kommen sie mir gerade recht, die Nachbarskinder Fichte, Hegel, Hölderlin, und bilden eine babylonische Mauer mit mir. Müssen sich einfügen, müssen sich mir fügen, da gibts nichts, sonst schneide ich ihnen von ihrem Gestell was ab. Und die Schauspieler sind derart ehrgeizig, daß sie da rüber auch noch hupfen, es ist nicht zu erfassen! Alles häufe ich auf mich drauf wie Schläge auf die von fremden Zähnen ohnehin schon malträtierten Torten, nur um in einen Einklang mit mir und diesen Fremden da auf der Bühne zu geraten, bis wir alle, und zwar ohne jedes Taktgefühl, jeder in seinem eigenen Rhythmus die Wirklichkeit herausfordern, ich sage in einer harmonischen Terz mit Herrn H. hier: bestellen. Und wo haben ich diesen Bestellzettel jetzt hingelegt? Egal. Die Zeugen meiner Anklage gegen Gott und Goethe, mein Land, die Regierung, die Zeitungen und die Zeit solo, sind die jeweiligen Figuren, jedoch ohne sie darzustellen und ohne sie sein zu wollen, weil sie sie ja schon sind! Also nicht im Sinn einer platten Identifikation mit einem Etwas, sondern im Sinn eines Sinns von etwas! Der Sinn läuft überhaupt durch den Schauspieler hindurch, der Schauspieler ist ein Filter, und durch ihn läuft Sand durch Sand, ein anderer Sand, durch den Sand, Wasser durch Wasser. Da stellen sie sich ein, die Damen und Herren Sinnvergifter, saufen aus meinem Brunnen, weil sie da eingestellt worden sind. Von mir und vom Herrn Direktor, der hier nicht auftritt und nichts zu sagen hat. Das wäre ja das letzte! Schein sein! Das wäre ja Betrug an mir! Und daß sie das Wirkliche darstellen, das wäre ja fast so, als glichen sie ihrem eigenen Wesen, das aber demjenigen zu gleichen hat, das ich ihnen vorschreibe. Ich bin verflucht und zugenäht: auch das war jetzt wieder falsch! Auf dem Theater kann jeder sich selbst begegnen und doch achtlos an sich vorübergehen, weil er sich dabei noch immer nicht fest genug getroffen hat. Ich glaube, das Theater ist der einzigen Ort, an dem das möglich ist. Ich bin die Herausforderung, doch es liegt an jedem einzelnen, ob er diese Forderung auch annimmt oder mir den Handschuh ins Gesicht zurückwirft, der noch die Form der Hand, der Finger bewahrt hat. Und so kommen wir wieder zum Kleid zurück: Da ist ein Gerichtssaal, und ein als Mörder Angeklagter spielt, daß er sich diesen Handschuh nicht anziehen kann, obwohl der Handschuh schreit und schreit, daß er diese Hand bereits kennt, daß er sie schon einmal, indem er über sie kam, besiegt hat. Doch er hat sie nicht geschaffen. Wie? Der Handschuh hätte die Hand nicht geschaffen? Das will ich wohl glauben, aber gewiß ist, daß die Hand den Handschuh gemacht hat, indem sie ihn mit Leben erfüllte, nur um Leben dann wieder auszulöschen, so leicht wie man eben einen Handschuh auszieht, ganz nach Belieben. Auf dem Theater - danke ebenfalls. Die Bühne macht nicht den Schauspieler, obwohl man das beinahe glauben könnte, treten die Schauspieler doch leider meist auf einer Bühne auf, weil sie wo anders nicht soviel Raum vorfinden, in dem sie sich produzieren können. Ich schicke sie also hin, damit sie Geschicke darstellen. Moment, jetzt habe ich gerade eine Erfahrung am eigenen Leib gemacht, an der ich es noch besser beschreiben kann: Das meiste, das es gibt, ist naturgemäß das Fernsehen, nur dort versammeln sich die Dinge, auf dies ankommt, ohne daß man die Gegend verlassen müßte, denn die Gegend kommt zu Ihnen ins Haus! Urwälder, Wüsten, Außerirdisches, der Herr der Welten persönlich muß uns diesen Ort aufgesperrt haben, kein Mensch könnte ihn sich auch nur ausdenken, und dann der Engelssturz: Bild unlesbar, Ton unhörbar schlecht! Ich nichts wie hin, und ich muß die ganze Zeit über die Antenne in meiner Hand halten, damit ich überhaupt etwas sehe und höre. Ja, das Sehen und Hören, das kann ich beschwören, vergehen mir sofort, wenn ich die Antenne wieder loslasse! Sie verstehen es jetzt? Gut. Dann vergessen Sie es wieder, denn ich sage es jetzt mit komplett anderen Worten, damit Sie sehen, was das Theater ist. Dort ist es nämlich genau so oder auch nur so ähnlich, doch es ist Ihnen egal: Die Schauspieler erzeugen die Bühne, und wo sie sind, dort ist auch jene. Schön festhalten den Draht zum Schöpfer, durch den das alles hindurchfließt! Es ist ja auch der Anschein nicht mit dem Schein verwandt, nicht einmal verschwägert. Es kann etwas leicht wie etwas anderes aussehen, doch deshalb hat es noch lang keinen Grund, so zu strahlen! Meine Taschenlampe, ist die Batterie leer, scheint immer noch scheinen zu können, ich nehme sie zur Hand, aber oh je, strahlen tut sie nicht mehr! Der muß ich erst etwas einschieben, so viele fremde Worte, die Wesens von sich machen, die Wesen aus sich machen. So auch der Schauspieler. So nicht, Herr, Frau Schauspieler! Ist Ihr Inneres aufgeladen, müssen Sie deshalb noch längst nicht Schein sein! Sie haben zwar die Fähigkeit, Schein zu erzeugen, aber aus irgendeinem Grunde tun Sie es heute nicht. Hole ich mir halt einen andren, eine andre, wir haben ja genug von ihnen! Ja, wir haben genug von ihnen! Also lade ich ihn, den Schauspieler, mit der Herausforderung meiner Sprache auf, mische die unbezahlten Forderungen von mindestens zweihundert anderen Autoren, die groß waren und wirklich gelebt haben, auch wenn sie uns heute unwirklich erscheinen, und mische alsdann auch noch meine eigenen Einkaufsposten, die sich sofort neben mir aufpflanzen und keinen mehr durchlassen, darunter; der Schauspieler erhält die Anforderung, welche jetzt auch die meine geworden ist, habe ich doch auch die Autorität von gespenstischen Hauswesen, Fremden, Geistern, die ich herbeizitiert habe, auf den Block, den Einkaufszettel dazugeschmiert und sie dem Schauspieler dann auf den Körper gedrückt. Na, die kriegt er nie mehr ab, jetzt kann er das Theater verlassen und später wieder reingehen, meinen Stempel trägt er. Meine Forderungen kann er, wenn er sie benötigt, immer vom eigenen Körper ablesen, wohin ich sie ihm gestempelt habe. Techniklärm bitte los! Der Darsteller spürt, daß ich ihn notfalls an seinen Haaren aus dem Depot zerren werde, damit er bei mir einkaufen geht, und was tut er? Was tut er, um auf seinem Weg mit dem Thespiswagerl durch die Regale wenigstens einmal wieder sich selbst begegnen zu dürfen, was ich ihm ausdrücklich verboten habe? Er darf meinetwegen jedem, auch mit seinem Hund Gleichmut, begegnen, nur nicht sich selber. Er muß meinen Anspruch vernehmen und gleichzeitig muß er ihn übersehen können, um einer zu werden, der selber Ansprüche stellt. Und zufällig sind das dann auch die meinen, die ich ohnedies die ganze Zeit gemeint habe! Bravo! Jetzt hat er es richtig gemacht. Jetzt hat ers geschnallt. Er ist jetzt ich, doch ohne darauf zu beharren und ohne auch darauf zu beharren, der zu sein, den er darstellen soll. Er soll überhaupt nicht beharrlich sein, sondern jeden Moment zu steuern. Ich halte seinen Knüppel, der am Ende doch immer wieder nur mich prügeln wird. Er kann nicht so einfach ein andrer werden, aber er kann ein anderer sein! Allerdings wiederum nicht ganz der, den er darstellen soll, sondern einer, den er erschafft, den er aus dem Bergenden seines Körpers hervorzieht, nichts Halbes und auf keinen Fall, bitte!, schon gar nicht was Ganzes. Nicht sich hervorholen bitte und auch keinen anderen. Im Irgendwo hängenbleiben, aber keinen Hänger haben, an dem man ihn an die Wand hängen könnte, daß er einen festen Ort bekommt, von wo das Weiche seines Fleisches herabbaumelt. Bis er wieder zum Vorschein kommen darf, der auch eine Art Schein ist, aber gleichzeitig auch wirklich. Gefährlich. Für alle. Zur Entnahme bereit. Ungesichert, aber gesteuert. In meinen Schriftzügen festgelegt, bis er hervorkommt, mit diesen Zügen entgleist, in den Wald kracht, und als ein ganz anderer wieder zum Vorscheinen gebracht wird. Ich halte mein Licht, um ihm nachzuscheinen, aber jetzt ist er endgültig weg, egal ob ich es will oder nicht.
