Wir waren uns nicht sicher, ob es jetzt total old-school-banal oder gewagt ist, zwei Menschen, die sich als Femme und Tunte bezeichnen, über sich diskutieren zu lassen. Haben die überhaupt was zu reden oder ist alles schon gesagt? Doch Tania Witte, Femme, und Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, stürzen sich mit so viel Elan auf die gegenseitigen Positionen, als hätten sie noch nie die Gelegenheit gehabt, ausführlich über queere Femininitäten zu sprechen.
Didine van der Platenvlotbrug und Tania Witte, © Paula Winkler
Banal oder gewagt? Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, und Tania Witte, Femme, sprechen über Feminitäten. © Paula Winkler
Hugs and Kisses: Was bedeutet denn Femme für dich, Tania?
Tania Witte: Generell sehe ich Femme als große Stärke, die sich hoffentlich mittlerweile abgekoppelt hat von “Butch”: Es geht darum, vorgeschriebene Weiblichkeit zu nehmen und auch in Äußerlichkeiten zu benutzen. Es ist ganz klar eine Entscheidung – ich wähle das für mich, und das jeden Tag neu! Ich bin dann unbedingt queer, ich kann auch wählen, mir einen Bart anzukleben und als King zu gehen. Aber ich bin trotzdem eine Femme, weil ich mich in Femininität stärker fühle als in Maskulinität. Als King bin ich immer eine kleine Schwuppe, da fühle ich mich immer verkleidet.
H&K: Wie definierst du Tunte, Didine?
Didine van der Platenvlotbrug: Früher war das für mich eine sehr politische Haltung, basierend auf der Homo-Männer-Bewegung der 70er, wo es ein Statement war, Frauenkleider zu tragen: Das, was ihr uns Schwuppen zudichtet, das benutzen wir, um dadurch stark zu sein! Auch indem wir Spaß damit haben. Das sind meine Wurzeln. Heute hat sich das mit dem queeren Diskurs sehr verändert: Ich sitze vor einem Setzkasten von Attributen, die ich mir anstecken kann – so gesehen ist das mein Lieblingsattribut. Auf der anderen Ebene ist Tunte für mich eine Haltung.
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Samstag, 5. Juni 2010
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