Dienstag, 29. Juni 2010
Samstag, 26. Juni 2010
Donnerstag, 24. Juni 2010
Mittwoch, 23. Juni 2010
I Wanna be...
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you - alone.
Boo boo bee doo
I wanna be kissed by you
just you and nobody alse but you
I wanna be kissed by you - alone.
Boo boo bee doo
I couldn't aspire
to anything higher
and to feel the desire
to make you my own.
Badum badum bee doodily dum ! Boo !
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you - alone.
Boo boo bee doo
I couldn't aspire
to anything higher
and to feel the desire
to make you my own.
Badum badum bee doodily dum ! Boo !
I wanna be loved by you
just you and nobody else but you
I wanna be loved by you
Ba deedily deedily deedily dum
Boo boo bee doo !
Montag, 21. Juni 2010
Freitag, 18. Juni 2010
Text WISE UP
It,s not
What you thought
When you first began it
You got
What you want
Now you can hardly stand it though,
By now you know
It,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
You,re sure
There,s a cure
And you have finally found it
You think
One drink
[ Wise Up lyrics from
http://www.musiclyricsnow.net/a/aimee-mann/wise-up/ ]
Will shrink you ,til you,re underground
And living down
But it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
Prepare a list of what you need
Before you sign away the deed
,Cause it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
So just...give up
What you thought
When you first began it
You got
What you want
Now you can hardly stand it though,
By now you know
It,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
You,re sure
There,s a cure
And you have finally found it
You think
One drink
[ Wise Up lyrics from
http://www.musiclyricsnow.net/a/aimee-mann/wise-up/ ]
Will shrink you ,til you,re underground
And living down
But it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
Prepare a list of what you need
Before you sign away the deed
,Cause it,s not going to stop
It,s not going to stop
It,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
,Til you wise up
No, it,s not going to stop
So just...give up
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EHRLICH
Samstag, 5. Juni 2010
Femme-Praktiken. Wer hat Angst vor Weiblichkeit?
von Margarita Tsomou
Dass Geschlechterkategorien Identität dogmatisch und unbeweglich machen, ist in Zeiten von queerness – zumindest abstrakt – uns allen bekannt. Aber auch nach über 20 Jahren queer theory scheint es zwingend, erneut in der Schachtel der Kategorien zu wühlen. Da war doch noch was …? So zücken wir die verlegte Karteikarte eines Gendergenres, bei dem sich unser schlechtes Gewissen einschaltet: Der Kategorie der “Femme” schulden wir noch Anerkennung. Es ist tatsächlich längst überfällig, die Menschen abzufeiern, die – trotz des allgemeinen Hypes von Drag-King-Kultur und Maskulinisierung in der queer scene – den Mut aufbringen, sich mit den Koordinaten des “schwachen Geschlechts” und damit feminin zu markieren.
Welche Femme?
Bei der Suche nach den Personen, die ich abfeiern will, stoße ich zumindest schon auf Probleme – denn die zunächst noch tatsächlich nebulöse Frage drängt sich auf: Was/wer ist eine Femme? Das alte Spiel der Definitionen bringt so widersprüchliche Ergebnisse, dass es schwer wird, an dem Begriff festzuhalten:
Eine Femme ist eine feminine Lesbe, die auf Butches steht … aber es gibt auch Femme-Erotica, d.h. Femmes, die Femmes begehren … aber eine Femme muss nicht zwingend eine Lesbe sein … sie kann auch ein Biomann sein … eine Femme ist nichts anderes als eine Drag Queen … oder eine Femme ist ein Transgendergeschlecht und zwar FTF … eine Femme kann auch eine heterosexuelle Frau sein… eine Femme ist ein absichtliches, intentionales, politisches Geschlecht … nein, eine Femme müsste doch auch eine lesbische Frau sein, die sich alltäglich einfach als feminine Frau fühlt, denn was sollen die denn sein …? Femme hat nichts mit Aussehen, sondern nur mit Haltung und Habitus zu tun … eine Femme ist ein sexuell rezeptives Geschlecht, d.h. sie mag es, gefickt zu werden statt zu ficken … eine Femme kann auch eine Fierce-Femme sein, also eine Person mit aggressiver Weiblichkeit, die nicht nur annimmt … eine Femme ist die Arbeiterin für die Transition eines Transmanns… oder eine Femme kann auch ein fag-hag sein … usw. (Eine fag hag ist eine Frau die auf schwule Männer steht oder die sich emotional mit ihnen verbunden fühlt.)
Angesichts dieser multiplen Versiertheit, mit der wir im queeren Zeitalter Geschlecht denken, scheint es anachronistisch, jemandem das Label der Femme anzukleben – es sei denn, die Person macht dies für sich selbst. Ich möchte in diesem Text ein Experiment vornehmen und vorschlagen, nicht nur im engeren Sinne von Femmes als der Geschlechtskategorie von weiblichen, queeren Biofrauen zu sprechen, sondern von Femme-Praktiken, -Strategien oder von Femmeness. Denn das, was die oben genannten Geschlechter gemein haben sowie das Problem, das uns plagt, ist viel größer als eine weitere “vergessene” queere Identität: Es ist die Frage, wie man mit dem verdrängten Phantasma der “Weiblichkeit” umgeht ohne sich dabei patriarchalen Klischees zu unterwerfen.
Weiblichkeit – ein Kostüm zum selber basteln
Ich hoffe, ich langweile nicht, wenn ich mit dem feministischen Allgemeinplatz beginne, dass Weiblichkeit kein biologisches Schicksal, sondern ein Repertoire von Codes und Markierungen ist, die sich je nach historischer Situation und Kontext ändern.
Schon in den 1920ern waren Feministinnen wie Joan Rivière, der Meinung, dass Frauen “Weiblichkeit” wie eine Maske benutzen, um männliche Regeln zu umgehen: Das “So-tun-als-ob”, das absichtliche Nachahmen femininer Verhaltensnormen, erlaube es Frauen, unauffällig intellektuelle – ergo männliche – Arbeiten zu verfolgen. Mit der Taktik der Maskerade “Weiblichkeit” würden sie so immer noch als Frauen “durchgehen”, um keine Probleme zu kriegen mit dem, was ihnen damals erlaubt war. Hinter dieser Maske ist keine Echtheit, keine natürliche Weiblichkeit zu vermuten – die Entstehung von Weiblichkeit selbst ist ein Maskierungsprozess, ein Bastelvorgang an einem Genderkostüm.
Mit Judith Butler geht man heute noch viel weiter: Nicht nur Weiblichkeit, sondern Geschlecht insgesamt, ob weiblich oder männlich, ist keine biologische, sondern eine performative Praxis, die durch die Wiederholung von Sprechakten und gewohnten Handlungsnormen hervorgebracht wird – Geschlecht ist die alltäglich produzierte Inszenierung seiner Merkmale. Für unser Weiblichkeitsproblem folgt daraus, dass es keine zwingende Verbindung zwischen Weiblichkeit und Heterosexualität, genau so wie es keine zwischen Weiblichkeit und dem Geschlecht Frau gibt.
Auf dem Kopierer klebt Weiblichkeit
Wenn Geschlecht eine Performance ohne biologischen Grund, eine “Kopie ohne Original” ist, dann können queere Individuen beliebige Geschlechtsinszenierungen auf den Kopierer legen und individuelle Muster erfinden. Weiblichkeit jedoch bleibt immer in der Gleichung. Es gibt keine vermeintlich neutrale Geschlechtsperformanz eines politisch korrekten queeren Geschlechts in einem androgynen Weiblichkeitsvakuum. Jedes Gendermuster ist eine Reaktion auf Femininität – auch wenn es partout nichts damit zu tun haben will. Das, was ich an Femmes so spannend und ehrlich finde, ist, dass sie nicht die Augen vor dem Problem schließen mit dem Glauben, dass der böse Geist mit Maskulinität auszutreiben wäre. Femmeness nimmt sich bewusst der ganzen Ladung an verfügbaren Inszenierungen an und geht eben AUCH mit Femininität als Muster kreativ um.
Femmeness – subverting the oppressing skirt
Ist der Spiegel von Weiblichkeit als Frauenschicksal erstmal zerschlagen, bedient sich die Femmeness der herumliegenden Scherben, um sie in neuen Femininitäts-Mosaiken bewusst und alternativ zu arrangieren. Im Grunde greift hier der etablierte Butlersche Ansatz der Gendersubversion als Widerstandsform: Wie bei jedem Drag-Akt ist Femme-Praxis keine Kopie heterosexueller Weiblichkeitsbilder, sondern eine Operation, die sich feminine Codes und Symbole aneignet, um sie zu zweckentfremden und sie schließlich mit einer neuen Bedeutung zu besetzen. Damit kann zum einen Femininität von ihren Stigmata, wie passiv, schwach, objekthaft entzerrt und zum anderen mit verschiedenen Attributen neu besetzt werden. “To me femme is about taking the things that oppressed me and using them”, sagt Morgana Maye aus San Francisco im Buch “Femmes of Power”.
Nicht zu fassen
Die Sache wird tricky, wenn man nicht weiß, wie nun der Stöckelschuh gemeint ist – ist der Absatz ein subversives Spiel mit unseren Weiblichkeitsvorstellungen oder nicht doch eine Anbiederung an das Schönheitsideal des Patriarchats? Femme-Praktik ist manchmal wie eine Zeichnung “weiß auf weiß”, nicht unmittelbar sichtbar und nicht immer leicht einzuordnen.
Für Sabine Fuchs macht das aus Femmes die mehrdeutigsten queeren Figuren. Die Herausgeberin des ersten deutschsprachigen Reader über Femmeness legt diese Doppelbödigkeit als Stärke aus: Femmes sind doppelt different. Ihre Weiblichkeiten täuschen die Erwartungen von dem, was eine Frau und/oder eine Lesbe ist, und zwar sowohl in heterosexuellen als auch homosexuellen Kontexten. Sie sind nicht wirklich das, wie sie vordergründig erscheinen, d.h. sie mögen auf den ersten Blick als straighte Weiblichkeiten erscheinen, sind aber queer. Sie sind “neither the same (straighte Frauennorm), nor different (maskuline Lesbennorm) but both” und sind damit “the queerest of the queer”, die Vorzeigestrategen für eine permanente Abweichung von der Geschlechtsnorm.
“To me, femme dares to stand at the boundary of what’s normal and what’s queer. At first glance she might pass. But she’s the double take. The square peg in the round hole”, so beschreibt auch XU Femmeness. Femme-Praktiken sind somit permanent fließend zwischen Identifikation und Desidentifikation, die Weiblichkeit mit einer ständigen Uneindeutigkeit ausstatten. Und wollten wir das nicht für alle Geschlechter geltend machen – schon immer?
Femme-inismus – was für ein Flash
Glücklicherweise gibt es eine Tradition von verschiedenen Feminismen, die Weiblichkeit ambivalent lesen und nicht nur als repressiven Zustand verstehen. Man könnte etwa in den Theorien graben, bei denen Frauen immer für die Abweichung vom Normgeschlecht “Mann” standen – für das “Andere”, das sich sogar dem Humanen entzieht und zum Monster, Tier oder Cyborg mutieren kann.
Oder beim sexpositiven Feminismus, der seit den 80ern dafür kämpft, dass ein offener Umgang mit Sexualität inklusive des Spiels mit den dazugehörigen Weiblichkeitsbildern zu einem Schlüssel für Emanzipation wird. Denn wie geil sind bitte all die gefürchteten Femmes der Kulturgeschichte, bedenke man die Femme Fatales, Vamps und Nixen, die ihre Sexualität strategisch einsetzen, um Männer ins Verderben zu stürzen – die Weiblichkeit dieser Geschöpfe ist unzweifelhaft mächtig.
Femmeness operiert mit all jenen Ideen, die Vorstellungen vom Weiblich-Sein öffnen. Deswegen haben es Femmes auch nicht nötig, das Gegenstück der Maskulinität anzunehmen, um sich von der angeblichen “rückschrittlichen Weiblichkeit” zu distanzieren. Die Femme-Strategie ist eine spielerische Umarmung von Femininität, die nicht “trotz” sondern “durch” Weiblichkeit Feminismus betreibt. Umso absurder scheint es, dass heute gerade in der queeren Szene mit Femme-inismus für die Anerkennung von Femmeness gekämpft werden muss. Das queere und feministische Potential der Femme-Praktiken flasht ungemein – allen Geschlechtern mit queerem Anspruch würde es gut tun, sich ein Stück davon abzuschneiden.
Literatur:
* Vampire Sex-Positive Performer and Writer Rosie Lugosi. In De LaGrace Volcano/ Ulrika Dahl: Femmes of Power. Exploding Queer Femininities, Serpent’s Tail, London 2008, ISBN 978184668664
* Sabine Fuchs: “Femme! Radikal – queer – feminin”
“Körpereinsatz”. Über feministische queer Burlesque. Siehe Hugs and Kisses Nr. 2
* Porträt der female Drag Queen Miss Debra Kate. Siehe Hugs and Kisses Nr. 4
Dass Geschlechterkategorien Identität dogmatisch und unbeweglich machen, ist in Zeiten von queerness – zumindest abstrakt – uns allen bekannt. Aber auch nach über 20 Jahren queer theory scheint es zwingend, erneut in der Schachtel der Kategorien zu wühlen. Da war doch noch was …? So zücken wir die verlegte Karteikarte eines Gendergenres, bei dem sich unser schlechtes Gewissen einschaltet: Der Kategorie der “Femme” schulden wir noch Anerkennung. Es ist tatsächlich längst überfällig, die Menschen abzufeiern, die – trotz des allgemeinen Hypes von Drag-King-Kultur und Maskulinisierung in der queer scene – den Mut aufbringen, sich mit den Koordinaten des “schwachen Geschlechts” und damit feminin zu markieren.
Welche Femme?
Bei der Suche nach den Personen, die ich abfeiern will, stoße ich zumindest schon auf Probleme – denn die zunächst noch tatsächlich nebulöse Frage drängt sich auf: Was/wer ist eine Femme? Das alte Spiel der Definitionen bringt so widersprüchliche Ergebnisse, dass es schwer wird, an dem Begriff festzuhalten:
Eine Femme ist eine feminine Lesbe, die auf Butches steht … aber es gibt auch Femme-Erotica, d.h. Femmes, die Femmes begehren … aber eine Femme muss nicht zwingend eine Lesbe sein … sie kann auch ein Biomann sein … eine Femme ist nichts anderes als eine Drag Queen … oder eine Femme ist ein Transgendergeschlecht und zwar FTF … eine Femme kann auch eine heterosexuelle Frau sein… eine Femme ist ein absichtliches, intentionales, politisches Geschlecht … nein, eine Femme müsste doch auch eine lesbische Frau sein, die sich alltäglich einfach als feminine Frau fühlt, denn was sollen die denn sein …? Femme hat nichts mit Aussehen, sondern nur mit Haltung und Habitus zu tun … eine Femme ist ein sexuell rezeptives Geschlecht, d.h. sie mag es, gefickt zu werden statt zu ficken … eine Femme kann auch eine Fierce-Femme sein, also eine Person mit aggressiver Weiblichkeit, die nicht nur annimmt … eine Femme ist die Arbeiterin für die Transition eines Transmanns… oder eine Femme kann auch ein fag-hag sein … usw. (Eine fag hag ist eine Frau die auf schwule Männer steht oder die sich emotional mit ihnen verbunden fühlt.)
Angesichts dieser multiplen Versiertheit, mit der wir im queeren Zeitalter Geschlecht denken, scheint es anachronistisch, jemandem das Label der Femme anzukleben – es sei denn, die Person macht dies für sich selbst. Ich möchte in diesem Text ein Experiment vornehmen und vorschlagen, nicht nur im engeren Sinne von Femmes als der Geschlechtskategorie von weiblichen, queeren Biofrauen zu sprechen, sondern von Femme-Praktiken, -Strategien oder von Femmeness. Denn das, was die oben genannten Geschlechter gemein haben sowie das Problem, das uns plagt, ist viel größer als eine weitere “vergessene” queere Identität: Es ist die Frage, wie man mit dem verdrängten Phantasma der “Weiblichkeit” umgeht ohne sich dabei patriarchalen Klischees zu unterwerfen.
Weiblichkeit – ein Kostüm zum selber basteln
Ich hoffe, ich langweile nicht, wenn ich mit dem feministischen Allgemeinplatz beginne, dass Weiblichkeit kein biologisches Schicksal, sondern ein Repertoire von Codes und Markierungen ist, die sich je nach historischer Situation und Kontext ändern.
Schon in den 1920ern waren Feministinnen wie Joan Rivière, der Meinung, dass Frauen “Weiblichkeit” wie eine Maske benutzen, um männliche Regeln zu umgehen: Das “So-tun-als-ob”, das absichtliche Nachahmen femininer Verhaltensnormen, erlaube es Frauen, unauffällig intellektuelle – ergo männliche – Arbeiten zu verfolgen. Mit der Taktik der Maskerade “Weiblichkeit” würden sie so immer noch als Frauen “durchgehen”, um keine Probleme zu kriegen mit dem, was ihnen damals erlaubt war. Hinter dieser Maske ist keine Echtheit, keine natürliche Weiblichkeit zu vermuten – die Entstehung von Weiblichkeit selbst ist ein Maskierungsprozess, ein Bastelvorgang an einem Genderkostüm.
Mit Judith Butler geht man heute noch viel weiter: Nicht nur Weiblichkeit, sondern Geschlecht insgesamt, ob weiblich oder männlich, ist keine biologische, sondern eine performative Praxis, die durch die Wiederholung von Sprechakten und gewohnten Handlungsnormen hervorgebracht wird – Geschlecht ist die alltäglich produzierte Inszenierung seiner Merkmale. Für unser Weiblichkeitsproblem folgt daraus, dass es keine zwingende Verbindung zwischen Weiblichkeit und Heterosexualität, genau so wie es keine zwischen Weiblichkeit und dem Geschlecht Frau gibt.
Auf dem Kopierer klebt Weiblichkeit
Wenn Geschlecht eine Performance ohne biologischen Grund, eine “Kopie ohne Original” ist, dann können queere Individuen beliebige Geschlechtsinszenierungen auf den Kopierer legen und individuelle Muster erfinden. Weiblichkeit jedoch bleibt immer in der Gleichung. Es gibt keine vermeintlich neutrale Geschlechtsperformanz eines politisch korrekten queeren Geschlechts in einem androgynen Weiblichkeitsvakuum. Jedes Gendermuster ist eine Reaktion auf Femininität – auch wenn es partout nichts damit zu tun haben will. Das, was ich an Femmes so spannend und ehrlich finde, ist, dass sie nicht die Augen vor dem Problem schließen mit dem Glauben, dass der böse Geist mit Maskulinität auszutreiben wäre. Femmeness nimmt sich bewusst der ganzen Ladung an verfügbaren Inszenierungen an und geht eben AUCH mit Femininität als Muster kreativ um.
Femmeness – subverting the oppressing skirt
Ist der Spiegel von Weiblichkeit als Frauenschicksal erstmal zerschlagen, bedient sich die Femmeness der herumliegenden Scherben, um sie in neuen Femininitäts-Mosaiken bewusst und alternativ zu arrangieren. Im Grunde greift hier der etablierte Butlersche Ansatz der Gendersubversion als Widerstandsform: Wie bei jedem Drag-Akt ist Femme-Praxis keine Kopie heterosexueller Weiblichkeitsbilder, sondern eine Operation, die sich feminine Codes und Symbole aneignet, um sie zu zweckentfremden und sie schließlich mit einer neuen Bedeutung zu besetzen. Damit kann zum einen Femininität von ihren Stigmata, wie passiv, schwach, objekthaft entzerrt und zum anderen mit verschiedenen Attributen neu besetzt werden. “To me femme is about taking the things that oppressed me and using them”, sagt Morgana Maye aus San Francisco im Buch “Femmes of Power”.
Nicht zu fassen
Die Sache wird tricky, wenn man nicht weiß, wie nun der Stöckelschuh gemeint ist – ist der Absatz ein subversives Spiel mit unseren Weiblichkeitsvorstellungen oder nicht doch eine Anbiederung an das Schönheitsideal des Patriarchats? Femme-Praktik ist manchmal wie eine Zeichnung “weiß auf weiß”, nicht unmittelbar sichtbar und nicht immer leicht einzuordnen.
Für Sabine Fuchs macht das aus Femmes die mehrdeutigsten queeren Figuren. Die Herausgeberin des ersten deutschsprachigen Reader über Femmeness legt diese Doppelbödigkeit als Stärke aus: Femmes sind doppelt different. Ihre Weiblichkeiten täuschen die Erwartungen von dem, was eine Frau und/oder eine Lesbe ist, und zwar sowohl in heterosexuellen als auch homosexuellen Kontexten. Sie sind nicht wirklich das, wie sie vordergründig erscheinen, d.h. sie mögen auf den ersten Blick als straighte Weiblichkeiten erscheinen, sind aber queer. Sie sind “neither the same (straighte Frauennorm), nor different (maskuline Lesbennorm) but both” und sind damit “the queerest of the queer”, die Vorzeigestrategen für eine permanente Abweichung von der Geschlechtsnorm.
“To me, femme dares to stand at the boundary of what’s normal and what’s queer. At first glance she might pass. But she’s the double take. The square peg in the round hole”, so beschreibt auch XU Femmeness. Femme-Praktiken sind somit permanent fließend zwischen Identifikation und Desidentifikation, die Weiblichkeit mit einer ständigen Uneindeutigkeit ausstatten. Und wollten wir das nicht für alle Geschlechter geltend machen – schon immer?
Femme-inismus – was für ein Flash
Glücklicherweise gibt es eine Tradition von verschiedenen Feminismen, die Weiblichkeit ambivalent lesen und nicht nur als repressiven Zustand verstehen. Man könnte etwa in den Theorien graben, bei denen Frauen immer für die Abweichung vom Normgeschlecht “Mann” standen – für das “Andere”, das sich sogar dem Humanen entzieht und zum Monster, Tier oder Cyborg mutieren kann.
Oder beim sexpositiven Feminismus, der seit den 80ern dafür kämpft, dass ein offener Umgang mit Sexualität inklusive des Spiels mit den dazugehörigen Weiblichkeitsbildern zu einem Schlüssel für Emanzipation wird. Denn wie geil sind bitte all die gefürchteten Femmes der Kulturgeschichte, bedenke man die Femme Fatales, Vamps und Nixen, die ihre Sexualität strategisch einsetzen, um Männer ins Verderben zu stürzen – die Weiblichkeit dieser Geschöpfe ist unzweifelhaft mächtig.
Femmeness operiert mit all jenen Ideen, die Vorstellungen vom Weiblich-Sein öffnen. Deswegen haben es Femmes auch nicht nötig, das Gegenstück der Maskulinität anzunehmen, um sich von der angeblichen “rückschrittlichen Weiblichkeit” zu distanzieren. Die Femme-Strategie ist eine spielerische Umarmung von Femininität, die nicht “trotz” sondern “durch” Weiblichkeit Feminismus betreibt. Umso absurder scheint es, dass heute gerade in der queeren Szene mit Femme-inismus für die Anerkennung von Femmeness gekämpft werden muss. Das queere und feministische Potential der Femme-Praktiken flasht ungemein – allen Geschlechtern mit queerem Anspruch würde es gut tun, sich ein Stück davon abzuschneiden.
Literatur:
* Vampire Sex-Positive Performer and Writer Rosie Lugosi. In De LaGrace Volcano/ Ulrika Dahl: Femmes of Power. Exploding Queer Femininities, Serpent’s Tail, London 2008, ISBN 978184668664
* Sabine Fuchs: “Femme! Radikal – queer – feminin”
“Körpereinsatz”. Über feministische queer Burlesque. Siehe Hugs and Kisses Nr. 2
* Porträt der female Drag Queen Miss Debra Kate. Siehe Hugs and Kisses Nr. 4
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Theater und Welt
Lasst uns Banden bilden!
Wir waren uns nicht sicher, ob es jetzt total old-school-banal oder gewagt ist, zwei Menschen, die sich als Femme und Tunte bezeichnen, über sich diskutieren zu lassen. Haben die überhaupt was zu reden oder ist alles schon gesagt? Doch Tania Witte, Femme, und Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, stürzen sich mit so viel Elan auf die gegenseitigen Positionen, als hätten sie noch nie die Gelegenheit gehabt, ausführlich über queere Femininitäten zu sprechen.
Didine van der Platenvlotbrug und Tania Witte, © Paula Winkler
Banal oder gewagt? Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, und Tania Witte, Femme, sprechen über Feminitäten. © Paula Winkler
Hugs and Kisses: Was bedeutet denn Femme für dich, Tania?
Tania Witte: Generell sehe ich Femme als große Stärke, die sich hoffentlich mittlerweile abgekoppelt hat von “Butch”: Es geht darum, vorgeschriebene Weiblichkeit zu nehmen und auch in Äußerlichkeiten zu benutzen. Es ist ganz klar eine Entscheidung – ich wähle das für mich, und das jeden Tag neu! Ich bin dann unbedingt queer, ich kann auch wählen, mir einen Bart anzukleben und als King zu gehen. Aber ich bin trotzdem eine Femme, weil ich mich in Femininität stärker fühle als in Maskulinität. Als King bin ich immer eine kleine Schwuppe, da fühle ich mich immer verkleidet.
H&K: Wie definierst du Tunte, Didine?
Didine van der Platenvlotbrug: Früher war das für mich eine sehr politische Haltung, basierend auf der Homo-Männer-Bewegung der 70er, wo es ein Statement war, Frauenkleider zu tragen: Das, was ihr uns Schwuppen zudichtet, das benutzen wir, um dadurch stark zu sein! Auch indem wir Spaß damit haben. Das sind meine Wurzeln. Heute hat sich das mit dem queeren Diskurs sehr verändert: Ich sitze vor einem Setzkasten von Attributen, die ich mir anstecken kann – so gesehen ist das mein Lieblingsattribut. Auf der anderen Ebene ist Tunte für mich eine Haltung.
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Didine van der Platenvlotbrug und Tania Witte, © Paula Winkler
Banal oder gewagt? Didine van der Platenvlotbrug, Tunte, und Tania Witte, Femme, sprechen über Feminitäten. © Paula Winkler
Hugs and Kisses: Was bedeutet denn Femme für dich, Tania?
Tania Witte: Generell sehe ich Femme als große Stärke, die sich hoffentlich mittlerweile abgekoppelt hat von “Butch”: Es geht darum, vorgeschriebene Weiblichkeit zu nehmen und auch in Äußerlichkeiten zu benutzen. Es ist ganz klar eine Entscheidung – ich wähle das für mich, und das jeden Tag neu! Ich bin dann unbedingt queer, ich kann auch wählen, mir einen Bart anzukleben und als King zu gehen. Aber ich bin trotzdem eine Femme, weil ich mich in Femininität stärker fühle als in Maskulinität. Als King bin ich immer eine kleine Schwuppe, da fühle ich mich immer verkleidet.
H&K: Wie definierst du Tunte, Didine?
Didine van der Platenvlotbrug: Früher war das für mich eine sehr politische Haltung, basierend auf der Homo-Männer-Bewegung der 70er, wo es ein Statement war, Frauenkleider zu tragen: Das, was ihr uns Schwuppen zudichtet, das benutzen wir, um dadurch stark zu sein! Auch indem wir Spaß damit haben. Das sind meine Wurzeln. Heute hat sich das mit dem queeren Diskurs sehr verändert: Ich sitze vor einem Setzkasten von Attributen, die ich mir anstecken kann – so gesehen ist das mein Lieblingsattribut. Auf der anderen Ebene ist Tunte für mich eine Haltung.
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Donnerstag, 3. Juni 2010
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